Stress unser treuer Begleiter
In meinen Begleitungen, aber auch ausserhalb, treffe ich immer mehr Menschen an, die sich kraftlos und erschöpft fühlen. Es sind interessantereise nicht nur gestresste Führungskräfte, sondern auch Eltern, Schüler, junge Erwachsene, Angestellte, Lehrkräfte, Ärzte und Kleinunternehmer. Das Gefühl der Erschöpfung zieht sich quer durch unsere Gesellschaft.
Wir Menschen stehen privat, in der Schule oder im Beruf immer wieder vor grossen Herausforderungen. Neue Trends und Veränderungen können leicht überfordern. Lösen Ängste aus. Können bedrohen. Greifen die Kraftreserven an. Aus «machbar» wird plötzlich dauerhaft «gefühlte» Überforderung.
Häufig vertreten wir die Ansicht, dass wir uns einfach noch ein bisschen mehr anstrengen und bemühen müssen, um so immer mehr zu schaffen. Doch wenn wir uns selbst vernachlässigen und schliesslich auf dem Zahnfleisch gehen, dann zahlen wir den Preis. Kurzfristig lässt unsere Konzentration lässt nach und wir sind weniger produktiv. Langfristig kann Stress kann aber auch zu gesundheitlichen Schwierigkeiten führen.
Auf die Warnsignale achten
Unser Gehirn warnt uns vor einem möglichen Burnout und dies lange bevor wir es selbst bemerken. Denn die totale Erschöpfung beginnt nicht mit dem Zusammenbruch. Es beginnt im Kopf. Still, schleichend, kaum wahrnehmbar. Bevor wir körperlich ausfallen, hat unser Gehirn längst Alarm geschlagen.
Leider haben wir aber kein Öllämpchen, das rot aufleuchtet oder ein Display, das aufzeigt, dass die Energie nur noch bei zehn Prozent liegt. Aber auch wir Menschen haben ein körpereigenes Warnsystem. Es ist eine ganz leise Stimme, die zu uns spricht. Es ist schon fast ein Flüstern. Wir müssen aber ruhig werden, achtsam sein, sonst hören wir sie nicht.
Aber was flüstert sie diese so leise Stimme? Was passiert in unserem Hirn, wenn wir gestresst sind, was sind die Anzeichen, die auf eine mögliche Überschöpfung hindeuten:
Konzentrationsverlust
Dein präfrontaler Kortex, der Teil für Planung und Fokus, zieht die Notbremse. Plötzlich brauchst du ewig für einfache Aufgaben, verlierst den Überblick, fühlst Dich, obwohl du viel tust, unproduktiv
Gedächtnislücken
Chronischer Cortisol-Ausstoss blockiert die Kommunikation im Hippocampus. Du vergisst die Namen, Termine, ganze Gespräche. Dein Gehirn schützt Dich, indem es Energie spart
Reizbarkeit und emotionale Überreaktionen
Die Amygdala (das Stresszentrum) feuert durchgehend. Du bist gereizt, dünnhäutig, ständig unter Strom. Nicht weil du schwach bist, sondern weil Dein System im Überlebensmodus ist.
Der Atem als Achtsamkeitsanker
Die Reaktion auf Stress passiert so automatisch und unbewusst, weil wir nicht achtsam genug sind und sie gar nicht wahrnehmen.
Der Vorteil der formellen Achtsamkeitspraxis (Meditationen, Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, achtsames Yoga, Atemübungen) und einer achtsameren Lebenshaltung ist, dass wir bewusster erkennen, wenn wir überfordert sind. So können wir immer wieder bewusst eine Pause einlegen und uns nochmals ganz neu ausrichten.
Magst du jetzt gerade kurz innehalten?
Finde mit einer Stoppuhr heraus, wie viele Atemzüge du in einer Minute nehmen kannst. Nimm lange und tiefe Atemzüge und zähle jeden vollen Atemzug als Einen (volles Einatmen und Ausatmen gilt als ein Atemzug). Notiere nach einer Minute die Anzahl der Atemzüge.
Wenn du das nächste Mal an deinem Arbeitsplatz feststellst, dass du gestresst bist oder die Sorgen Überhand nehmen, dann schliesse deine Augen und nimm genau diese Anzahl Atemzüge, während du langsam mit deiner inneren Stimme zählst.
Wenn du damit fertig bist, dann hast du eine achtsame Minute verbracht.
Auch wenn es kontraproduktiv erscheinen mag eine Pause einzulegen, während sich die Arbeitslast weiter stapelt, hilft dir diese kurze Übung, diese Micropause, dabei Dich nicht überfordert zu fühlen und deine Tätigkeit wieder mit mehr Ruhe, Klarheit und Energie aufzunehmen.
Zusammenfassend kann man sagen, dass unser Gehirn nicht dafür gemacht ist, permanent zu funktionieren. Unser Gehirn braucht immer wieder eine Pause. Es sehnt sich um eine gute Balance zwischen Leistungserbringung und Erholung.
Achtsamkeitsmethoden, wie z.B. Atemübungen sind verblüffend wirksame und wissenschaftlich bestätigte Schutzschilder gegen Stress, Hektik und Überforderung und fördern die Gesundheit.
Es sind Türöffner zu Ressourcen wie Ruhe, Entspannung, Gelassenheit, Energie und Konzentration. Alles Ressourcen, auf die wir Menschen in herausfordernden Situationen, im Stress, zurückgreifen können.
Ruhe, Erholung und Entspannung ist ein Grundbedürfnis von uns Menschen und somit ein zentrales Element in der Gesundheitsprävention.
Zum Schluss nehme ich gerne nochmals Bezug zum Titel meines Blogs und schliesse mit einem von meinen Lieblingszitaten:
«Wenn du es eilig hast, dann gehe langsam. Du musst nur langsam genug laufen, um immer in der Sonne zu bleiben.» (Antoine de Saint-Exupéry)
©ipc-akademie.com – Auf Kopieren oder anderweitiges Vervielfältigen wird mit rechtlichen Schritten reagiert.
Der Autor
Name: Michele Bergantino
Beruf: Betrieblicher Mentor, Dipl. Mental Coach, Dipl. Autogener Trainer
Website: bergreich-coaching.ch
Motto: «Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft!»
Ausbildnerin: Zertifikat Mentales Training im Sport, Diplom Autogenes Training
Nach jahrelanger Erfahrung als Kundenberater in der Finanzbranche, entschied er sich einen neuen Weg zu gehen und die Unternehmung BergReich-Coaching zu gründen. Er begleitet Menschen in ihren persönlichen Themen und dies bereitet ihm viel Freude. Coach zu sein ist für ihn nicht nur ein Beruf, sondern seine Berufung. Aus genügend eigenen Erfahrungen weiss er, dass das Leben aus einem Auf und Ab besteht und genau deshalb hat es ihn dazu bewegt diesen neuen Schritt zu wagen.



