Eine junge, bildhübsche Frau kommt zu mir ins Coaching. Sie steht kurz vor ihrer Lehrabschlussprüfung in einem von jungen Männern dominierten Beruf. Trotz intensiver Vorbereitung ist sie bereits drei Monate vorher extrem nervös und voller Angst. Ihre Körperhaltung ist wenig gespannt, die Schultern leicht gerundet – man sieht ihr die Unsicherheit an.

Selbstbewusstsein = sich seiner selbst bewusst sein?

Interessanterweise erlebe ich oft, dass Menschen, je mehr sie sich selbst bewusstwerden, umso weniger Selbstbewusstsein haben. Ein gutes Beispiel ist ein ehemaliger Klient, eine hochbegabte Führungskraft im Bankensektor. Täglich jonglierte er erfolgreich mit Milliarden, arbeitete viel zu viel und kletterte unaufhaltsam die Karriereleiter hoch. Doch innerlich kämpfte er seit Jahren mit Angst und Unsicherheit, hielt seinen Erfolg für erschlichen – klassisches Imposter-Syndrom.

Warum ist das so? Die vier Phasen des Lernens (Conscious Competence Model, NLP) erklären es gut:

Unbewusste Inkompetenz: Du machst dein Ding, ohne dir deiner Schwächen bewusst zu sein. Vielleicht bekommst du dann ein Feedback von deinem Chef zu deiner Kommunikation; er kritisiert, wie du mit deiner Arbeitskollegin gesprochen hast. In deiner Wahrnehmung war alles in Ordnung, aber plötzlich stellst du fest, dass du in gewissen Situationen vielleicht ungeduldig oder weniger diplomatisch bist, als du dachtest.

Bewusste Inkompetenz: Nun beginnst du, dich selbst zu beobachten. Du merkst plötzlich, wie oft du ungeduldig reagierst, was dich verunsichert. Denn einerseits empfindest du deine Kollegin wirklich als nervig, andererseits fühlst du dich schlecht, weil du nun weisst, dass dein Verhalten nicht optimal ist. Diese Phase ist für viele Menschen besonders unangenehm, weil sie die eigenen Schwächen in den Fokus rückt. Oft tritt eine gewisse Hilflosigkeit auf: Du weisst, dass du etwas ändern musst, aber du hast noch keine Strategie, wie du es umsetzen kannst.

Bewusste Kompetenz: Mit der Zeit entwickelst du ein Bewusstsein für dein Verhalten und arbeitest aktiv daran. Du informierst dich, holst dir eventuell Unterstützung durch einen Coach oder eignest dir neue Kommunikations-Strategien an. Vielleicht lernst du Techniken, um deine Ungeduld zu kontrollieren, etwa durch bewusstes Atmen oder durch das Anwenden bestimmter Sprachmuster. Allmählich gelingt es dir, gelassener und konstruktiver zu reagieren. In dieser Phase erlebst du bewusst, wie du Fortschritte machst und das motiviert und stärkt dich.

Unbewusste Kompetenz: Jahre später bekommst du eine Rückmeldung von einem neuen Vorgesetzten, der deine ruhige und klare Kommunikation schätzt. Du bist erstaunt, weil dir gar nicht mehr bewusst war, dass du dir diese Fähigkeit angeeignet hast. Sie ist zu einem selbstverständlichen Teil deiner Persönlichkeit geworden. Das zeigt, dass Entwicklung oft ein fortlaufender Prozess ist: Wenn wir neue Kompetenzen erwerben, verschwinden sie irgendwann aus unserem bewussten Fokus, weil wir uns bereits der nächsten Herausforderung widmen.

Was bedeutet das nun für das Selbstbewusstsein? Wer seine Schwächen erkennt, aber nichts dagegen tut, bleibt unsicher. Und wer sie gemeistert hat, ist oft schon mit der nächsten Herausforderung beschäftigt und vergisst die eigene Kompetenz.

Selbstbewusstsein entsteht im Inneren – zeigt sich im Außen

Zurück zur jungen Frau: Sie sieht sich immer noch als das unsichere Schulmädchen, das von Mitschülerinnen gehänselt wurde. Dabei hat sie bereits gelernt, positiver mit sich zu sprechen und sich zu motivieren. Doch alte Prägungen sitzen tief. Als Emotionscoach helfe ich ihr weiter, negative Erlebnisse zu verarbeiten, ihr Nervensystem zu beruhigen, so dass sie in Prüfungssituationen nicht „einfriert“, sondern nur eine gesunde Nervosität spürt und auf ihr Wissen zugreifen kann. Ein weiterer Schritt ist, ihre Körpersprache zu verbessern: Aufrechter Stand, fester Händedruck, mehr Körperspannung. Über ihre Körpersprache gibt sie sich selbst das Signal «Ich bin selbstbewusst».

Und das „hohe Tier“ von der Bank? Er suchte den magischen Schalter, um von innerlich unsicher und äusserlich arrogant zu echter Souveränität zu gelangen. Doch Selbstbewusstsein ist ein Muskel, der trainiert werden darf. Sein Weg begann mit Selbstakzeptanz: Seine Unsicherheit annehmen, ohne sie zur Identität zu machen. Wohlwollend mit sich umgehen, den inneren Dialog neu ausrichten und sich bewusst machen, was er bereits erreicht hat – ohne sich mit anderen zu vergleichen. Dabei half es ihm die Erkenntnis, dass auch seine erfolgreichen Kollegen mit Zweifeln zu kämpfen haben. Niemand hat „alles im Griff“, aber viele kaschieren es gut.

5 Schlüssel zu mehr Selbstbewusstsein

Selbstakzeptanz: Sei dein eigener bester Freund. Akzeptiere dich mit deinen Stärken und Schwächen. Wahres Selbstbewusstsein kommt von innen, nicht durch Bestätigung von außen.
Körpersprache: Haltung zeigt Haltung. Steh aufrecht, entspanne die Schultern, halte Blickkontakt – das beeinflusst direkt, wie du dich fühlst und auf andere wirkst.

Positive Selbstgespräche: Dein innerer Dialog zählt. Ersetze negative Gedanken („Ich bin nicht gut genug“) durch konstruktive („Ich wachse mit jeder Herausforderung“).

Fähigkeiten aufbauen und bewusst behalten: Kompetenz schafft Selbstvertrauen. Lerne kontinuierlich dazu. Je mehr du kannst, desto sicherer wirst du. Und vor allem: Mache dir deine Fortschritte bewusst! Notiere deine Erfolge, reflektiere, was du schon gemeistert hast.
Vergleiche vermeiden: Du hast nur dich. Miss dich nur an deinem früheren Ich, nicht an anderen. Fortschritt, nicht Perfektion, ist das Ziel. Jeder hat seinen eigenen Weg und seine eigene Geschwindigkeit.

Zusätzlich helfen Seminare zur Emotionsregulation und Coaching, um das Selbstbewusstsein nachhaltig zu stärken. Durch gezieltes Training und Reflexion kann jeder lernen, seine Stärken zu erkennen und fördern und Schritt für Schritt mehr innere Sicherheit zu gewinnen.

Herzliche Grüsse Beatrice

Conscious Competence Model, NLP 

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Der Autor

Name: Beatrice Göldi

Beruf: Coach/ Supervisorin/ Ausbildnerin

Website: beatricegoeldi.ch

Motto: “Der Sinn des Lebens ist ein Leben mit Sinn.” Robert Byrne

Ausbildnerin: Klientenbezogene Supervision/ Lehrsupervision

Seit über 15 Jahren begleitet Beatrice Menschen in ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung. Sei das in Seminaren, als Trainerin oder im Einzelcoaching. Ihre Herzensthemen sind innere Freiheit und Potentialentfaltung. Also weg von Überforderung, Druck, Stress hin zu jemand der gelassener, mutig, engagiert und ideenreich seine täglichen Herausforderungen meistert, sein Potential mehr und mehr entfaltet und seine Wünsche und Ziele zu verwirklicht.

Kunden auf dem Weg zum Coach, Beraterin und Betrieblichem Mentor zu begleiten, ist für sie eine wunderbare Aufgabe. In einer von Humor und Leichtigkeit geprägten Umgebung werden durch Innenschau Prozesse angeregt, Entwicklungsschritte gemacht und von der Intelligenz der Gruppe zu profitieren ist für alle sehr befriedigend.