In der Ruhe liegt die Kraft

Dieser Blog dreht sich um die Stille. Eigentlich könnte ich ihn leer einreichen, dann wäre da auf ihrem Bildschirm nun einfach eine weisse Fläche. Sie würde ihren Zweck verfehlen. So probiere ich Ihnen die Stille mit Worten schmackhaft zu machen. Dabei greife ich eher auf eigene Erfahrungen und Ansichten, als auf wissenschaftliche Quellen zurück. Wer weiss, vielleicht regt der Text Sie zum Denken an – in aller Ruhe, versteht sich.

Ist es tatsächlich so, dass der Ruhe eine gewisse Kraft innewohnt? Eine Energie? Was sind Ihre persönlichen Erfahrungen? Wie kommen Sie mit der Ruhe zurecht?

These: Der westliche Mensch des 21. Jahrhunderts hält Ruhe kaum aus!

Die Ruhe, die ich meine, ist nicht fehlender Lärm. Auch. Aber zur Ruhe kommen, wie ich es meine, bedeutet auch, bewusst eine Zeit lang nichts machen. Unser System möchte eigentlich ständig stimuliert werden. Wir brauchen immer wieder neue Reize. Und es ist so einfach geworden, nur schon mit einem Smartphone, unser Gehirn diesbezüglich ständig zu füttern. Ich verteufle das nicht, nutze es selbst auch. Gedanken können gerade umgesetzt, die To-do-Liste ergänzt, fehlendes Material bestellt werden. Wie viel Zeit verbringt der Durchschnittsbürger scrollend auf Social Media? Herrlich für das Gehirn. Sie verstehen. Der Zugriff auf Musik und Podcasts ist schier grenzenlos. Auch vor dem Schlafen, nur noch ganz kurz… Würden wir die Ruhe besser aushalten – oder uns selbst – begäben wir uns öfter in sie. Oder wird der Titel-Spruch, von wem er auch immer ursprünglich stammt, überbewertet?

Der gute Schlaf als Energiequelle

Es ist wohl am einfachsten aufzuzeigen, dass Ruhe Energie generiert, wenn wir an den Schlaf denken. Oder noch einfacher, an fehlenden oder unruhigen Schlaf…

Müde und erschöpft gehen wir schlafen und schon bald nach dem Aufwachen, stehen wir gestärkt und energiegeladen auf. Dabei erholt sich nicht nur der Körper, den ein Grossteil der Bevölkerung eh kaum zum Arbeiten braucht, sondern auch der Geist. Schlafentzug war und ist es sicherlich auch heute noch, eine Foltermethode. Bei Ratten führte es nach sieben Tagen zum Tod. (wikipedia.com, 2022) Die Ruhe liefert also sogar Lebensenergie.

Am siebten Tage sollst du ruh’n…

Hier bedeutet ruhen wohl «nicht arbeiten», sich ausruhen. Trotzdem zeigt auch diese Aussage mit dem gleichen Wortstamm, dass Ruhe als Quelle für Energie benötigt wird.

Was passiert denn eigentlich, wenn wir still werden?

In der Stille nehmen wir plötzlich wahr, dass es gar nicht so ruhig ist. Sogar wenn wir diverse Wahrnehmungsquellen verschliessen, vor allem die Augen und die Ohren, ist sehr viel los. Diverse Stimmen plappern in uns. Was denkt es da den lieben langen Tag? In der Stille seinen eigenen Gedanken zuzuhören, führt uns in Kontakt mit uns selbst. Somit schaffen wir Bewusstsein. Wir lernen uns besser kennen und entwickeln unsere Persönlichkeit. Natürlich geht es nicht ganz so schnell. Aber es geht. Dabei ist es wichtig, sich nicht mit dem eigenen Denken zu identifizieren. «Glaube nicht alles, was du denkst!», habe ich von Eckhart Tolle einmal gelesen. Viele können wohl froh sein, dass nur ein Bruchteil eintritt, von dem, was sie denken.

Was wir aber lernen können in der Ruhe, ist als erstes das wahrzunehmen, was ist. Es zeigt uns auf, wie unsere Gedanken beschaffen sind. Sind wir ängstlich oder optimistisch? Sind wir zufrieden oder eher Nörgler? Sind wir pro-aktiv statt reaktiv? (Covey, 2021)

Ich muss das tun!  versus  Ich kann mich frei entscheiden.

Es macht mich so wütend!  versus  Ich kontrolliere meine Gefühle!

Es gibt nichts, was ich ändern könnte.  versus   Ich werde eine Alternative finden.

Sich in Ruhe zuzuhören und die Gedanken ziehen zu lassen, verbindet einen mit sich selbst. Es schafft Bewusstsein und hilft uns, Entscheidungsgrundlagen zu schaffen. Wir lernen, wie wir die Welt sehen. Dabei geht es um das Aufnehmen, Verstehen und Interpretieren von den Dingen, die um uns herum passieren. Als Metapher um dies zu verdeutlichen, füge ich die Landkarte an. Hören wir in Ruhe unseren Stimmen zu, erkennen wir, wie wir Landkarten generieren. Allen ist klar, die Landkarte ist nicht das Land. Sie ist eine schematische Erklärung gewisser territorialer Gegebenheiten, aber sie bildet nicht die Realität ab. Und wir alle zeichnen sie ein wenig anders, jeder ist mit seinen eigenen Karten unterwegs.

In der Stille lernen wir, unsere Landkarten ständig zu updaten. Nur wer seine Landkarten kennt, einerseits jene von «Realitäten», also wie die Dinge sind, andrerseits, wie die Dinge sein sollten, also unsere «Werte». Ständig interpretieren wir alles. Wir urteilen gemäss unseren Karten. Und so navigieren wir auch.

Ich lege Ihnen folgende Übung ans Herzen:

Hören Sie ihren Gedanken einmal nur zu! Seien Sie Beobachter. Sie werden wohl recht schnell merken, wie sie urteilen und interpretieren. Holen Sie sich dann zurück und beobachten Sie ihre Gedanken, wie wenn Sie mit einem Fernglas auf einem Berggipfel sitzen würden.

In Ruhe zuzuhören zeigt auf, was ist. Es ist die Grundlage zu akzeptieren und anzunehmen, was ist. Weil: Was ist, ist. Ob wir es lieber anders hätten oder nicht, es ist wie es ist. Vielleicht können wir es verändern. In diesem Fall verhilft uns die Ruhe zur Handlung, zeigt uns den nächsten Schritt auf, den wir gehen sollen. Wenn nicht, erkennen wir das auch und wir tun dann gut daran, es anzunehmen.

Entspannungsübungen und Meditation

Gibt man dem Ganzen einen Rahmen oder hält man sich an ein paar Rituale, sind wir bei einer möglichen Art zu meditieren. Darum herum ist in den letzten Jahren ein Hype entstanden. Manager hetzen in der Mittagspause in speziell dafür eingerichtete Räume oder sie ziehen sich für einen Retreat ein Wochenende ins Kloster zurück. Ein stummer Schrei nach Ruhe und Ausgleich? Ein Gegenpol zum hektischen Arbeitsalltag?

Über Meditation und Achtsamkeit sind in den letzten rund 25 Jahren diverse Studien gemacht worden, die Anzahl der Publikationen ist exponentiell gestiegen. Das finden Sie selbst im Netz. Wichtiger ist: Es wirkt. Probieren Sie es aus. Halten Sie es aus! Diese Ruhe und ihre eigenen Gedanken, die Langeweile, die Impulse; widerstehen sie eine Weile. Gut Ding will Weile haben.

Das holt uns auch immer wieder ins Jetzt zurück. Das macht Sinn, denn oft sind wir mit unseren Gedanken in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Das Leben findet jetzt statt und jedem gegenwärtigen Moment steckt ein Zauber inne.

So wünsche ich Ihnen nun viel Vergnügen und Erfolg, beim still werden und dass Sie so zur Ruhe kommen. Denn in der Ruhe liegt die Kraft.

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Der Autor

Name: Marco Maffiew

Beruf: Lehrer, Betrieblicher Mentor, Coach, Dozent

Website: mentalparat

Motto: «Es geht nicht darum, was dir im Leben passiert, sondern wie du damit umgehst.» Epiktet

Ausbildner in: Kinder & Jugend Coach

Das Leben besteht nicht nur in der Hauptsache aus Tatsachen und Geschehnissen. Es besteht im Wesentlichen aus dem Sturm der Gedanken, der jedem durch den Kopf tobt. Marco Maffiew unterstützt als Ausbildner Kinder, Erwachsene und Sportler dabei, diesen Sturm zu bändigen und den Wind für ihre persönliche Entwicklung zu nutzen. Er ist überzeugt, dass unser Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft ist und jeder sich weiterentwickeln kann – schliesslich ist unser Gehirn trainierbar. Let’s do it! Für ihn ist es keine Option zu warten, bis das Glück uns findet. Nehmen wir es selber in die Hand und schmieden wir daran.