Das Jahresmotto «Lead Yourself – Selbstführung als Performance-Basis» erinnert uns daran, dass nachhaltige Leistung bei uns selbst beginnt. Wer sich selbst gut führt, trifft bewusstere Entscheidungen, übernimmt Verantwortung und gestaltet sein Leben aktiv statt reaktiv. Dazu gehört auch die Gelassenheit, nicht alles kontrollieren zu müssen und mit Unsicherheiten konstruktiv umzugehen.
Im Monatsthema «Entscheidungsfreude» geht es deshalb nicht nur darum, schneller zu entscheiden. Es geht darum, Entscheidungen zu treffen, die zu den eigenen Werten, Überzeugungen und Lebenszielen passen. Solche Entscheidungen schaffen Orientierung, stärken das Selbstvertrauen und fördern langfristig die persönliche Zufriedenheit.
Warum Authentizität die Grundlage guter Entscheidungen ist
Viele Menschen treffen Entscheidungen mit Blick auf die Erwartungen anderer. Was denkt mein Umfeld? Was erwarten Kolleginnen, Kollegen oder Vorgesetzte?
Diese Fragen sind nachvollziehbar. Gleichzeitig bergen sie die Gefahr, dass wir uns von unseren eigenen Bedürfnissen entfernen. Wer dauerhaft gegen die eigenen Werte entscheidet, verliert Energie, Motivation und oft auch die Freude an der Arbeit.
Authentizität bedeutet nicht, immer nur das zu tun, worauf man Lust hat. Sie bedeutet vielmehr, die eigenen Werte zu kennen und bewusst in Entscheidungen einzubeziehen. Menschen, die im Einklang mit ihren Überzeugungen handeln, erleben häufig mehr Zufriedenheit, Stabilität, Gelassenheit und innere Klarheit.
Wer weiss, wofür er steht, kann auch dann Entscheidungen treffen, wenn sie nicht allen gefallen. Authentische Menschen handeln nicht gegen andere, sondern im Einklang mit sich selbst. Dadurch werden Entscheidungen nachvollziehbarer und langfristig tragfähiger.
Entscheidungen verändern sich mit den Lebensphasen
Entscheidungen treffen wir nicht nur im Beruf. Oft sind es die grossen Lebensphasen, die uns besonders fordern: Familiengründung, Stellenwechsel, Trennung, der Auszug der Kinder oder die Frage, wie wir die kommenden Jahre gestalten möchten.
Mit zunehmendem Alter verändert sich häufig die Perspektive. Während früher Wachstum, Leistung oder neue Möglichkeiten im Vordergrund standen, gewinnen später Sinn, Lebensqualität, Gesundheit und Beziehungen an Bedeutung.
Als Mensch Ü50 stelle ich fest, dass ich heute bewusster und gelassener entscheide als vor zwanzig Jahren. Nicht weil ich weniger Möglichkeiten habe, sondern weil ich genauer hinschaue: Was passt wirklich zu mir? Welche Ressourcen stehen mir zur Verfügung? Und welchen Preis bin ich bereit zu bezahlen?
Authentische Entscheidungen entstehen, wenn wir nicht nur fragen, was möglich ist, sondern auch, was für uns sinnvoll ist. Entscheidungsfreude bedeutet deshalb nicht, jede Chance zu nutzen. Sie bedeutet, die Chancen zu erkennen, die wirklich zum eigenen Lebensweg passen – und mit Gelassenheit auf andere zu verzichten.
Entscheidungsfreude braucht Selbstvertrauen
Viele Entscheidungen werden nicht aufgeschoben, weil Informationen fehlen, sondern weil Unsicherheit vorhanden ist. Was passiert, wenn ich falsch liege? Was denken andere?
Absolute Sicherheit gibt es nicht. Entscheidungsfreude entsteht deshalb nicht durch Sicherheit, sondern durch das Vertrauen, mit den Konsequenzen einer Entscheidung umgehen zu können. Selbstführung bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und anzuerkennen, dass Fehler zum Lernprozess gehören.
Nicht jede Entscheidung wird sich im Nachhinein als optimal erweisen. Doch jede bewusst getroffene Entscheidung schafft Erfahrungen, Entwicklung und Orientierung. Wer handelt, sammelt Erkenntnisse und stärkt das Vertrauen in die eigene Urteilsfähigkeit.
Authentisch sein bedeutet nicht, alles preiszugeben
Authentische Menschen schaffen Vertrauen und wirken glaubwürdig. Authentisch zu sein bedeutet jedoch nicht, sämtliche Gedanken, Gefühle oder privaten Herausforderungen ungefiltert mit anderen zu teilen.
Gerade im beruflichen Kontext braucht es eine Balance zwischen Transparenz und Professionalität. Professionelle Authentizität bedeutet, sich als Mensch zu zeigen, ohne die eigenen Grenzen zu verlieren.
Der schmale Grat zwischen Nähe und Professionalität
Wer mit Menschen arbeitet, kennt diese Herausforderung. Nähe schafft Vertrauen, Abgrenzung erhält Professionalität.
Entscheidend ist die Absicht hinter dem Handeln: Hilft meine Offenheit dem gemeinsamen Ziel oder verschiebt sie den Fokus auf mich selbst? Wer diese Frage regelmässig reflektiert, entwickelt ein gesundes Gespür für die richtige Balance.
Lead Yourself
Selbstführung beginnt mit der Bereitschaft, sich selbst ehrlich zu begegnen. Entscheidungsfreude bedeutet nicht, immer sofort zu wissen, was richtig ist. Sie bedeutet, Verantwortung für die eigenen Entscheidungen zu übernehmen und diese an den eigenen Werten auszurichten.
Authentizität ist kein Selbstzweck. Sie ist eine Grundlage für langfristige Zufriedenheit, gesunde Beziehungen und nachhaltige Leistungsfähigkeit. Wer sich selbst führen kann, trifft Entscheidungen mit Klarheit, Selbstvertrauen und Gelassenheit.
Lead Yourself bedeutet deshalb auch: Sei authentisch, sei transparent und bleibe gleichzeitig professionell. Genau in dieser Balance liegt die Stärke nachhaltiger Selbstführung und echter Entscheidungsfreude.
«Gib mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.»
(Aus dem Gelassenheitsgebet von Niebuhr)
Die Autorin
Name: Corinne Brunner
Beruf: Betriebliche Mentorin / Mental Coach
Website: mentalcoach4you.com
Motto: «Unus pro omnibus, omnes pro uno – Einer für alle – alle für einen»
Dieser Leitsatz steht für Corinne als Privat- und Geschäftsfrau an oberster Stelle und symbolisiert ein Team, den Zusammenhalt und ein konstruktives Miteinander. Ein Team im Aussen ist jedoch temporär, und die Konstellation und Intensität verändert sich laufend. Das Team im Innen, also in uns Menschen, haben wir als Wegbegleiter immer bei uns, sagt sie. Es hilft uns, Entscheidungen zu treffen, uns zu warnen und manchmal treibt es uns auch an, neue Wege zu gehen. Corinne’s grosse Erfahrung in der Arbeit im Gesundheitswesen, aus der Praxistätigkeit als eidg. Betriebliche Mentorin und als Dipl. Mental Coach, befähigt sie, Menschen in ihrem Entwicklungsprozess tagtäglich zu begleiten. Was Menschen alles rührt und regt zu erleben, ist ein Privileg, und sie geht damit mit viel Wertschätzung und Sorgfalt um. Mit einem gestärkten Team ist vieles und noch mehr möglich.


