Die sieben Sünden eines Online Trainers/einer Online Trainerin - IPC Akademie

Die sieben Sünden eines Online Trainers/einer Online Trainerin

Seit punktgenau einem Jahr unterrichte ich intensiv online. Nicht freiwillig. Es war der Bundesratsbeschluss, der mich dazu zwang, innerhalb einer Woche umzustellen. Zuerst auf wackligen Beinen und mit einigen Nervenzusammenbrüchen wegen meines Unverständnisses gegenüber der Technik. Heute bin ich freudig, flockig und experimentierfreudig unterwegs.

Seit einigen Monaten mache ich Präsenzkursleitende fit im online Unterrichten. Mein Team von Dozierenden und ich geben viele wertvolle Tipps, didaktische Kniffe und praktische Umsetzungsideen. Aus den vielen Schulungen heraus habe ich die wichtigsten Fallen zusammengetragen, in die online-Kursleitendende tappen könnten.

Hier die 7 Todsünden eines Online Trainers/einer Online Trainerin:

1. Jammern über die Technik

Dass die Technik oft nicht funktioniert ist so klar wie das Amen in der Kirche. Und zwar bei dir und bei deinen Teilnehmenden. Du bist der Kapitän oder die Kapitänin des online Schiffs. Wenn du deinen Passagieren vorjammerst, dass der Motor nicht geht, dass die Beiboote Lecks haben, dass die Küche heute ausfällt, kreierst du eine Atmosphäre des Misstrauens.

Sei stark bei deinen Pannen. Halte Fallschirme bereit, verschiebe etwas auf später oder erwähne nicht, dass du was vorhattest, das dann nicht geht. Vermittle Sicherheit und hör auf zu jammern.

2. Ohne Regeln starten

Wenn du eine Horde wilder Jugendlicher mit Säcken voller Hartprozentigem auf dein Schiff lässt, dann wird das eine Saufparty. Wenn du beim Einchecken wie beim Hallenstadion in Zürich die Mülltonnen aufstellst, in welche Waffen, Getränke und andere seltsame Gegenstände fliegen, dann hast du ein Konzert ohne Störungen.

Kommuniziere also gleich beim Start: Kamera ist an, Mikrofon ist aus, Pünktlichkeit und alles, was dir wichtig ist.

3. Störungen zulassen

Und natürlich werden deine Regeln in jeder online Stunde x-mal gebrochen. Nicht einmal böswillig, sondern weil es einfach so ist. Jemand lässt das Mikrofon an und man hört die Person fluchen oder auf die Tasten einhauen. Nichts sagen ist dein Untergang. Für dich, den störungsfreien Unterricht und für die Teilnehmenden.

Sag also nett und direktiv: «Luigi, bitte mach deine Kamera an, damit ich dich sehen kann.» «Carla, bitte schalte dein Mikrofon aus, man kann dich noch hören.» «Leute, wir starten den Unterricht pünktlich.

4. Fragen ohne Auftrag

Vom Präsenzunterricht sind wir uns gewohnt, eine Frage in den Raum zu stellen, dabei den Leuten tief in die Augen zu blicken und dann gibt von selbst jemand Antwort, weil der Kontaktdruck zu gross wird. Online kannst du lange starren, niemand fühlt sich angesprochen. Deine Fragen verhallen ohne Rückmeldung.

Darum: «Was meint ihr zu dieser Frage. Bitte schreibt alle eine Antwort in den Chat.»

Oder: «Viola, kannst du mir bitte auf diese Frage eine Antwort geben…»

Im Online-Unterricht braucht es einen direkten Auftrag zu einer Frage.

5. Stumm kämpfen

Du hast was vorbereitet. Einerseits eine Power Point zur Visualisierung deines Theorieinputs, dann ein Padlet für die Gruppenübung. Nun versuchst du, den Link für das Padlet zu kopieren, aber irgendwann hat sich diese Info auf deinem Computer verschoben, du suchst jetzt gerade nochmals auf dem zweiten Bildschirm…

Während deiner Suchaktion schauen dir alle Teilnehmenden zu, wie du stumm vor dich hin kämpfst. Da sie nicht wissen, was du treibst, entsteht eine unangenehme Stimmung. Es scheint, als steuere niemand das Schiff.

Darum: Sag, was du tust. Gib den Leuten 2 Minuten Denkpause oder eine Trinkpause, lass nicht einfach die Minuten ohne Info und Aktion vergehen.

6. One Man/Woman Show

Es ist nett, wenn du denkst, dass du alles im online alleine bewirken kannst. Aber du hast lernwillige Matrosen an Board. Nutze sie.

Vergib Jobs wie: «Kannst du mir bitte die Leute aus dem Raum A zurückholen.» «Kannst du mir bitte nach 40 Minuten ein Schild in die Kamera halten «WE NEED A BREAK.» «Jeder von euch hat heute die Aufgabe, 1 Minute die Gruppe zu vitalisieren.» «Ich rufe vor jedem Theorieinput jemanden auf.»

Setze deine Matrosen mit an die Ruder, dann kommst du flott voran.

7. Im Dunkeln sitzen

Zeig dich bitte im besten Licht. Das meine ich nicht metaphorisch, sondern genauso. Die Lichtverhältnisse und die gute Sicht auf dein Gesicht sind wichtig, damit dein Unterricht nicht nur inhaltlich klar rüberkommt, sondern auch visuell. Dazu eignen sich Zusatzlampen und ein Schreibtisch vor dem Fenster. Lichtquellen von hinten verdunkeln deine ganze Gestalt, Helligkeit von der Seite wirft Schatten auf deine Gesichtshälfte.

Leuchte dich aus und zeig dich im besten Licht. Damit sind gleichermassen deine Kleidung, dein ordentlicher Hintergrund und dein störungsfreies Ambiente gemeint.

Als Quintessenz aller sieben Sündenfälle kann ich folgendes zusammenfassen:

Lenk dein Schiff sicher durchs Wasser, sonst fährt es ohne dich weiter und zwar in die falsche Richtung.

Beachtest du diese sieben Fallen, vermeidest du bereits 80 Prozent aller möglichen Pleiten, Pech und Pannen. Ich wünsche dir also gute Fahrt. Schiff ahoi.

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Die Autorin

Name: Maya Onken

Beruf: Coach, Ausbildnerin, Autorin

Website: maya-onken.ch

Motto: “Es ist nie zu spät, so zu sein, wie man gerne gewesen wäre.”

Ausbildner in: Eidg. FA Ausbilder

Maya Onken

Maya Onken, geb. 1968, war von Anfang an ein Energiebündel und ein Bewegungskind. Während der Scheidung ihrer Eltern, entwickelte sie ihre Begabung für administrativen Perfektionismus, kreativen Umgang mit psychologischen Fragen und kommunikative Vielfalt. So redet, unterrichtet und schreibt sie leidenschaftlich und drückt sich durch ihre tänzerische Begabung auch nonverbal deutlich aus.

Als Verheiratete und Mutter zweier Töchter und gleichzeitig Berufstätige ist sie also bestens vertraut mit dem familiären Dauerjonglieren. Als Rednerin, Autorin mehrerer Bücher, Coach und Selbständig erwerbende hat das Leben sie einiges gelernt wie z.B.: Sei mutig und zuversichtlich und verabschiede dich von der Idee, risikolos und geplant durchs Leben zu marschieren. Manchmal ist es deshalb besser, nicht abzuwarten, bis der Sturm vorbei ist, sondern zu lernen, im Regen zu tanzen. Maya Onken ist Ausbildnerin mit voller Leidenschaft bei der IPC Akademie.