“ Ich weiss nur eines: So kann es nicht weitergehen.“

Ein Satz, den ich im Coaching immer wieder höre.

Als Michel (Name geändert) diesen Satz ausspricht, schaut er aus dem Fenster. Seit fast zwanzig Jahren arbeitet er als Kundenberater bei einer Schweizer Bank. Er betreut eine anspruchsvolle Kundschaft, kennt die Finanzmärkte, erreicht seine Ziele und wird von seinen Vorgesetzten geschätzt. Von aussen betrachtet läuft alles bestens. Doch innerlich sieht es anders aus.

„Früher bin ich gerne zur Arbeit gegangen. Heute erledige ich meine Aufgaben professionell, aber die Freude ist weg. Ich funktioniere nur noch.“

Michel beschreibt kein Burnout. Er ist auch nicht überfordert. Vielmehr hat sich über Jahre ein Gefühl der Leere entwickelt. Die täglichen Abläufe wiederholen sich. Neue regulatorische Anforderungen nehmen zu. Administrative Aufgaben verdrängen immer häufiger die persönliche Beratung, die ihn ursprünglich für den Beruf begeistert hat.

Seit Monaten stellt er sich dieselbe Frage. Bleiben oder gehen?

Doch je länger er darüber nachdenkt, desto unklarer wird die Antwort.

Die Komfortzone kann zur Sackgasse werden. Viele Menschen verbinden berufliche Veränderungen mit Krisen. Dabei entsteht der Wunsch nach Veränderung oft viel leiser. Man wacht nicht eines Morgens auf und kündigt. Stattdessen wächst über Monate oder Jahre das Gefühl, dass etwas nicht mehr stimmt. Die Arbeit gelingt zwar weiterhin, aber sie erfüllt nicht mehr. Der Beruf passt noch zum Lebenslauf, jedoch nicht mehr zur eigenen Entwicklung.

Gerade Menschen, die erfolgreich sind, bleiben häufig länger in dieser Situation. Sie haben sich etwas aufgebaut, verdienen gut, geniessen Sicherheit und möchten ihre Kollegen und Kolleginnen nicht enttäuschen.

Genau das machte Michel zu schaffen.

„Eigentlich habe ich keinen Grund zu gehen. Aber ich finde auch keinen Grund mehr zu bleiben.“

Auch dies ein Satz, den ich im Coaching immer wieder höre.

Warum grosse Entscheidungen so schwerfallen:

Unser Gehirn liebt Sicherheit. Veränderungen aber bedeuten Unsicherheit. Deshalb beginnt unmittelbar der innere Dialog.

Was, wenn ich den Wechsel bereue? Was, wenn ich in einer neuen Stelle ebenfalls unglücklich werde? Was, wenn ich meine langjährige Kundschaft verliere? Was, wenn ich heute etwas aufgebe, das andere gerne hätten?

Je länger dieser Dialog dauert, desto stärker übernimmt der innere Kritiker die Führung. Neue Möglichkeiten werden sofort bewertet, Risiken übertönt und Chancen klein geredet.

Das Ergebnis: Man bleibt stehen. Nicht, weil man bleiben möchte. Sondern weil jede Alternative bedrohlich erscheint.

Die Walt-Disney-Methode:

Im Coaching arbeite ich in solchen Situationen gerne mit der Walt-Disney-Methode. Den Namen hat die Methode vom berühmten amerikanischen Trickfilmzeichner und Filmproduzenten Walter Elias Disney. Er nutzte diese Methode regelmässig, um Ideen aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten zu können. Anstatt alle Gedanken gleichzeitig zuzulassen, werden drei unterschiedliche Denkweisen bewusst voneinander getrennt.

Der innere Träumer. Der innere Realist. Der innere Kritiker.

Jede dieser drei Rollen bzw. Stimmen erhält ihren eigenen Raum.

Der Träumer. Ich bat Michel zunächst, alle Grenzen auszublenden und gross zu träumen. Keine finanziellen Sorgen. Keine Verpflichtungen. Keine Erwartungen anderer.

Nur eine Frage:

Wie würde dein Berufsleben aussehen, wenn alles möglich wäre?

Nach kurzem Schweigen begann er zu erzählen. Er wollte wieder Menschen begleiten, statt hauptsächlich Produkte zu verkaufen. Er wollte mehr gestalten, mehr Verantwortung übernehmen und wieder spüren, dass seine Arbeit einen Unterschied macht. Zum ersten Mal seit langer Zeit sprach er mit Begeisterung über seine Zukunft. Nicht über Stellenprofile. Nicht über Lohn. Sondern darüber, wie er arbeiten wollte. Alleine diese Perspektive veränderte etwas. Denn vielen Menschen fällt es leichter zu erklären, was sie nicht mehr möchten, als zu beschreiben, was sie wirklich erfüllt.

Der Realist. Im zweiten Schritt wurde es konkreter. Welche Kompetenzen bringt Michel bereits mit? Welche Erfahrungen sind auch ausserhalb seiner heutigen Funktion wertvoll? Welche Möglichkeiten gibt es innerhalb oder ausserhalb der Finanzbranche? Welche Schritte wären realistisch? Plötzlich entstand aus einem diffusen Traum ein konkreter Plan. Nicht alles musste sofort passieren. Vielleicht zunächst Gespräche führen. Kontakte aktivieren. Ein Weiterbildungsangebot prüfen. Den Markt beobachten. Der Berg wurde kleiner.

Der Kritiker. Erst jetzt bekam der Kritiker seinen Platz. Welche Risiken gibt es? Was könnte schiefgehen? Welche Annahmen sind vielleicht zu optimistisch? Der entscheidende Unterschied bestand darin, dass der Kritiker nicht mehr die gesamte Diskussion dominierte. Er durfte prüfen, aber nicht verhindern.

Genau darin liegt die Stärke der Walt-Disney-Methode. Sie bringt Struktur in ein Gedankenchaos. Statt gleichzeitig zu träumen, zu planen und zu zweifeln, geschieht jeder Schritt bewusst. Das schafft Klarheit.

Die Entscheidung:

Nach mehreren Coaching-Sitzungen traf Michel eine überraschende Entscheidung. Er kündigte nicht sofort. Stattdessen begann er, sich intensiv mit seinen Stärken, Werten und Interessen auseinanderzusetzen. Er führte Gespräche mit Menschen ausserhalb seiner bisherigen Branche, besuchte Veranstaltungen und erweiterte sein Netzwerk.

Ein halbes Jahr später wechselte er in eine neue Funktion. Nicht, weil er von seinem alten Job flüchtete, sondern weil er wusste, wohin er wollte.

Das machte den Unterschied. Eine berufliche Entscheidung entsteht selten aus Frust. Sie entsteht aus Klarheit.

Was nehme ich mit aus dieser Begleitung:

Als Coach und betrieblicher Mentor nehme ich mit, dass die meisten Menschen nicht zu mir kommen, weil sie keine Möglichkeiten haben. Sie kommen, weil sie zu viele Gedanken gleichzeitig im Kopf haben. Sie analysieren, bewerten und zweifeln. Oft monatelang.

Die Walt-Disney-Methode hilft, diese Gedanken zu ordnen.

Sie gibt dem Träumer Raum für Visionen, dem Realisten die Verantwortung für die Planung und dem Kritiker die Aufgabe, Risiken einzuordnen, ohne jede Idee im Keim zu ersticken.

Vielleicht stehst auch du gerade an einem Punkt, wo du spürst, dass sich etwas verändern muss.

Dann stelle dir nicht zuerst die Frage:

„Soll ich kündigen?“

Frage dich lieber:

“ Welche berufliche Zukunft möchte ich in fünf Jahren rückblickend gewählt haben?“

Die Antwort darauf beginnt oft nicht mit einem neuen Job. Sondern mit einer neuen Perspektive. Mit mehr Klarheit. Die Walt-Disney-Methode hilft dir dabei.

Die innere Stimme – dein Kompass für grosse Entscheidungen

Der Autor

Name: Michele Bergantino

Beruf: Dipl. Coach SCA – Betrieblicher Mentor FA

Website: bergreich-coaching.ch

Motto: «Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, dann ist es der Glaube an sich selbst.»

Dieses Zitat begleitet Michele schon seit vielen Jahren und sagt sehr viel über sein Begleitungsverständnis und über seine Haltung als Coach und Mentor aus. Er glaubt an die eigenen Kräfte, an die eigenen Ressourcen von uns Menschen. Trotzdem müssen wir uns manchmal eingestehen, dass wir in einem bestimmten Thema nicht mehr weiterkommen, irgendwie wie blockiert sind. In solchen Momenten Unterstützung in Form eines Coachings zu nehmen ist für ihn kein Zeichen von Schwäche. Im Gegenteil, er findet dies richtig mutig und stark. Nach fast dreissig Jahren als Kundenberater in der Finanzbranche hat er seine Leidenschaft für die Begleitung von Menschen in ihren privaten, beruflichen oder sportlichen Themen entdeckt. Coaching und Mentoring ist für ihn heute nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung. Lassen Sie uns gemeinsam Wege zur Veränderung und zu persönlichem Wachstum erkunden … und gemeinsam Berge versetzen!

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